Ein Brief für Papa

Weißt du, es ist ja nicht so, als wäre es als Kind nicht schon schlimm genug, wenn alle einen Vater haben, nur man selbst nicht.
Als Kind einer alleinerziehenden Mutter hat man es nicht so leicht, wie Kinder aus "ganz normalen Familien", nämlich solchen, die den Rollenvorgaben der Gesellschaft entsprechen. Die mitleidigen Blicke anderer Eltern kriegt man gratis dazu und das sogar bis ins junge Erwachsenenalter. Und vergessen wir mal nicht, wie nett Kinder untereinander sein können, wenn sie nicht wissen, dass Menschen manchmal getrennte Wege gehen müssen und fragen wo denn der Papa ist, wieso man keinen Papa hat und ob man seinen Papa nicht vermisst.
Und weißt du noch was? Nein, tut man nicht. Was soll man vermissen, wenn man es nicht kennt?

Die Person mit der größten vaterähnlichen Rolle in meinem Leben, war ein Mann, dessen Verwandtschaft zu mir ungefähr der von einer Kartoffel zum Eichhörnchen gleicht. Es gibt keine.
Der Mann, der versucht hat mir, trotz aller Wiedrigkeiten, eine schöne Kindheit zu verschaffen, ist der zweite Ehemann meiner Großmutter, Stiefvater meiner verstorbenen Mutter und von Blutsverwandtschaft gibt es nicht die Spur.
Selbst der Kerl, der meine Mutter - du weißt schon, das ist die Person, die den anderen Part eines "Elternpaares" darstellt - quer durch verschiedene Wohnungen geprügelt hat, war mir immernoch mehr männliche Bezugsperson, als du es je warst, sein wirst oder gar könntest, nicht mal, wenn du wolltest.

Eigentlich hab ich nie wirklich an dich gedacht. Nie. Warum auch. Ich wusste schon als Kind, dass du dich einen Scheiß für mich interessierst, so wie für deine (mindestens) zwei anderen Kinder, die du auf gleiche Art und Weise in die Welt gesetzt hast und deren Mütter du ebenso alleine hast hocken lassen. Bravo, Glanzleistung, echt gut gemacht. Zeugt von so richtig viel Charakterstärke.

Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass mir was fehlt. Oder dass ich gerne einen Papa hätte, mit dem ich über Dinge sprechen kann, der mich beschützt und auf mich aufpasst und bei mir nachts um 3 eine große Spinne mit dem Glas einfängt und draussen aussetzt. Nie.
Das, was meine Freundinnen Zuhause hatten, war halt anders, aber nicht besser, rein familiär gesehen.
Mir ist in den letzten knapp 30 Jahren niemals in den Sinn gekommen, Kontakt zu dir zu suchen oder mich irgendwie anderweitig bemerkbar zu machen, denn für mich bist du einfach das, was du bist: Ein Niemand.

Aber heute, heute hab ich tatsächlich mal was zu sagen. Aber auch nichts, was neu für dich wäre, denn du bist, wie es sich für ein richtig gutes Beispiel gehört, nicht nur feige, sondern auch noch verantwortungslos.
Aber auch das weißt du schon seit über 40 Jahren, so alt ist nämlich dein Erstgeborener inzwischen.
Nicht ein Mal hast du auch nur einen Pfennig an Unterhalt gezahlt. Und natürlich muss man dir nachrennen, wie ein Hündchen es tun würde, damit du deinen beschissenen Pflichten als VATER (für den Fall, dass dir der Begriff fremd ist: "der biologische Vater war der Erzeuger der männlichen Keimzelle (Sperma) für die Zeugung des Menschen, er ist mit ihr blutsverwandt" - Quelle: Wikipedia) in irgendeiner kleinen, verkümmerten  Form nachkommst. Und sei es nur, in dem du deinen verkackten Steuerbescheid an das dich auffordernde Bafögamt schickst. Aber nein! Natürlich nicht.
Es ist dir einfach scheißegal, dass eines deiner Kinder nur einen dämlichen Zettel braucht, auf dem steht, was du hast oder, dass du nichts hast. Aber nein! Stattdessen passiert, wie üblich wieder gar nichts und wieder vergehen Wochen und Monate in denen man dich anschreibt, dir Mahnungen schickt und dich letztlich vors Gericht schleift, damit das Recht, welches MIR, als dein leibliches Kind zusteht, eingeklagt wird.
Wieder vergehen Wochen und Monate, in denen ich mir Sorgen mache, wie ich über die Runden kommen kann, weil ich nicht abhängig sein will von Menschen, denen wirklich was an mir liegt.

Nicht mal dazu reicht es. Ganz schön traurig, dass du nicht mal für den Frieden aller dazu in der Lage bist. Nicht mal für deinen eigenen. Dafür warte ich jetzt noch einen nicht näher definierten Zeitraum, bis das zuständige Bafögamt doch wieder Vorauszahlung leisten muss, weil du dich nicht einbringst. Weil du einfach gar nichts tust, wie ein nichtsnutziger Haufen Scheiße.

Echt, dein Tod wäre für alle eine Wohltat. Gibt ja eh nichts zu vermissen. Was soll man vermissen, wenn man es nicht kennt?