Jeder der psychisch nicht ganz auf der Höhe ist, kennt Trigger. Und dabei gibts nicht nur Trigger aka Auslöser im psychologischen oder medizinischen Sinne, sondern auch ganz generell. Aber um die gehts hier nicht.
Ich bin jemand, der sich extrem leicht triggern lässt, aber auch von unterschiedlichen Dingen.
Im Moment sowieso. Es geht mir nicht gut, also kann ich viele Dinge mental nicht einfach ausblenden oder nicht nicht wahrnehmen. Dank der HS (Hochsensibilität) fliegt einem das ja sowieso immer zu wie nix, aber wenn man eh labil ist, dann trägt man förmlich einen Empathie-Super-Magneten mit sich herum, weil man eben nicht ausblenden kann und so prasselt alles auf einen ein und man wird irgendwie begraben.
So war ich vor kurzem an einem Stall um mir dort ein potentielles Pflegepferd anzusehen. Erster Eindruck war echt super, nette Menschen, nettes Pferdchen, alles in Ordnung.
Man steckte mir nebenbei, dass da immer viele Leute am Stall herumturnen, was theoretisch nichts schlimmes ist. Für jemanden wie mich, der Emotionen von anderen aufsaugt wie in Schwamm, selbst wenn mans nicht will, ist es trotzdem eine Herausforderung. Dazu kommt, dass ich meine Augen und Ohren unbewusst immer überall habe und so auch Dinge höre, die ich nicht hören will oder eben Dinge sehe, die ich nicht sehen will. Und häufig versteht man Dinge auch gar nicht richtig, sondern nur fetzenweise und weil man diese nicht richtig einordnen kann, versteht man sie möglicherweise auch noch falsch und das Kopfkino geht los.
Weiter im Text. Die vielen Leute am Stall wären nicht so das große Thema gewesen, allerdings bin ich Phobikerin und das nicht zu knapp, was bedeutet die vielen Leute am Stall sind doch ein ganz schön großes Thema. Ein zu großes sogar.
Als mich ein paar Tage später dann die Nachricht der Besitzerin erreichte, dass sie krank sei, gings in meinem Kopf schon los. Die Vorstellung dort an diesen Stall zu gehen, wo SO viele Leute sind und wo quasi der reine Seuchenpfuhl herrscht, mit den ganzen Kindern vor Ort, die um diese Jahreszeit ja eh alles mit sich herumschleppen, war ein echtes Problem für mich. 'Nen Tag später kam dann die Nachricht, die Tochter sei nun auch krank und dank der Stall-Austausch-Gruppe, die in man mich ungefragt im WhatsApp gepackt hatte, wusste ich auch, dass einige andere auch krank waren. Die Größe des Panikschildes in meinem Kopf kann ich gar nicht beschreiben. Ging nicht. Konnte ich nicht. Wollte ich nicht. Keine beschissene Chance, dass ich da hinging. Auf keinen Fall.
Glücklicherweise war es kein großes Thema davon Abstand zu nehmen und stattdessen auch noch meinem Bauchgefühl zu folgen und dorthin zu gehen, wo mein altes Pflegepferd steht. Ein privater Stall, wenig Einsteller, Privatgründstück, Ruhe, keine Kinder, keine Hektik, je nach Uhrzeit kaum Betrieb, ich kann machen was ich will, so lange ich will und so oft ich will... Glück für mich, dass mein altes Pflegepferd schon seit langer Zeit niemanden mehr hat, der sich kümmert, also übernehm ich das jetzt wieder. So einmal die Woche, je nach dem.
Und das Gefühl dort zu sein ist so vertraut und so gut und bringt mir innerlich viel Ruhe.
Jaja, ich weiß, immer dem Trigger ausweichen ist nicht gut. Weiß ich alles, juckt mich aber nicht. Flucht hat bezüglich meiner Phobien schon immer sehr gut funktioniert, wenns zu heftig wurde. Zudem ich behaupten mag, dass sich niemand freiwillig in Situationen aufhält, die ihm richtig, richtig Unbehagen bereiten. Für mich ist es jetzt, ohne diesen vollgestopften Stall mit zig Leuten jeden Tag, deutlich besser im Kopf. Ich fühle mich nicht mehr getriggert, das ist gut. Dadurch bin ich ruhiger.
Aber die Rechnung ohne das Unterbewusstsein hab ich trotzdem gemacht. Nicht was Trigger angeht, sondern allgemein. Ich bin inzwischen bei Woche 5 mit dieser Magengeschichte. Ich nehme seit anderthalb Wochen einen Säureblocker, gegen den ich mich ja so lange gewehrt habe und es lief ganz gut. Bis vor ein paar Tagen, als ich in meiner Herbsteuphorie zwei Kilo Satsumas kaufte und knapp ein halbes an einem Tag aufaß. Die Rechnung kam am nächsten Tag: Magenschmerzen. Trotz Säureblocker. Tja, machste halt nix, wenn man sich die Zitrusfrüchte so reinhaut.
Leider wirkt sich der ganze Magenkram schon immer extrem auf meinen Kopf aus und ich bin direkt wieder unruhig, fühle mich unwohl und habe Angst. Angst vorallem, dass die Gastritis wiederkommt und dass ich noch länger damit Probleme habe (und das kann ja auch noch schwerwiegende Folgen haben. Allein das Gedanke an das Wort "Magenspiegelung" lässt mich schwitzen). Wo ich doch quasi nächste Woche in den Unikram einsteige und ich bin noch nicht fit. Stress, Stress, Stress.
Wäre ja schön, wenn man das einfach abstellen könnte. Kann man aber nicht. Ich kann es nicht. Zeitweilig ja, aber nicht ganz. Viel zu viel Angst habe ich vor dem ganzen Thema Studium oder viel mehr, vor der Tatsache da ständig hinzumüssen, mit viel zu vielen Leuten in Hörsäälen zu sitzen und den ganzen Tag unter Menschen sein zu müssen. Ich mag es nicht unter vielen Menschen zu sein, eben unter anderem auch, weil es mich emotional überfordert und ich am Ende des Tages vollkommen erledigt von allem, nicht mehr fähig bin, zu mir selbst zu finden, Ruhe zu finden, abzuschalten. Das macht mir Angst. Es gibt viele Gründe, zu viele vielleicht.
Die Angst ist da. Oder viel mehr, die Ängste sind da. Omnipräsent. Egal wann, egal wo.
An Tagen wos mir körperlich etwas besser geht, spielt die Psyche etwas besser mit.
Aber wehe, WEHE! ich verplane meine Woche und packe viel rein... Wie diese Woche. Eigentlich wars nicht die Welt, aber für die angeschlagene Psyche wohl genug.
Gestern war der Tag eben etwas voller, heute gings, aber trotzdem hab ich heute Magenschmerzen und ich hab Probleme zu sagen, obs psychsomatisch ist oder nicht. Vielleicht, vielleicht nicht. Vielleicht ist es auch einfach beides.
Die Tatsache, dass ich im Moment wieder einmal extrem an ohnehin kaum vorhandener psychischer Belastbarkeit verliere, nervt mich übrigens nicht minder, leider macht es das auch überhaupt nicht besser.
Es ist schwer für mich Ruhe zu finden. Ich kann nicht abschalten. Ich bin die ganze Zeit gedanklich irgendwo. Vorallem bei meinem Magen. Und bei der Uni und allem drumherum. Und bei dem Bafög, auf das ich noch warte. Und bei meinen Ängsten. Und bei der Therapeutensuche, welche ich wohl abhaken kann, da ich scheinbar ja "nur" unter einer akuten Krise leide. Nur schnallt von diesen cleveren Therapeuten scheinbar auch niemand, dass diese akute Krise im Augenblick für körperliche Probleme und einen seelischen Tiefpunkt sorgt, welcher im schlimmsten Fall dafür sorgt, dass ich da lande, wo ich schonmal war: In der Arbeitsunfähigkeit.
Aus diesem Grund hab ich mich auch einfach mal entschlossen das Angebot von diesem viel zu ambitionierten Jungarzt anzunehmen und mir für Dienstagabend einen 30-Minuten-Termin geben lassen. Zum miteinander sprechen. Wie er sagte: "Sie erzählen mir ein bisschen was, ich erzähle Ihnen ein bisschen was und wenn das passt, können wir das so einmal die Woche machen, bis es besser ist." Oder so. Vielleicht ist es das, was ich brauche. Und ich entschied mich an der Uni auch mal nachzuhaken, wies da mit ner Beratung aussieht, bezüglich dieses ganzen Dings. Immerhin zahl ich 300 Euro im Semester, dafür, dass ich studieren darf und diese ganze Krise ist ja auch erst durch die Frage "Auf welche Uni soll ich gehen" entstanden... Da werden die wohl helfen müssen.
Zudem die Universität ein ziemlich breites Spektrum an Angeboten hat, welche viele, viele Felder der Psychologie abdecken. Das geht von psychologischer Beratung über Selbsthilfegruppen, bis hin zu Meditationsgruppen und einem Raum der Stille, in dem man sich zurückziehen kann, wenn man eine Auszeit braucht.
Ich möchte ja. Aber es ist so schwer.
Weswegen ich auch Plan B etwas abgewandelt habe, aber er steht und das ist gut. Sonst habe ich noch Plan C und D und im Zweifel sogar Plan E...
Wie mein Freund immer sagt: Es geht immer weiter.
Ich hoffe, nur nicht weiter bergab.