In der letzten Woche ist für mich klar geworden, dass ich mein Studium (so) nicht weiterführen werde.
Wow, nach vier Wochen, denkst du dir? Ja, nach vier Wochen, sag ich dir.
Weder ist die Pseudo-Elite die richtige Universität für mich, mit über vierzigtausend Studenten, permanenten Menschenansammlungen, jeden Morgen unendlichen Staus zur Uni/von der Uni weg/auf dem Uni-Gelände und Streit auf dem Parkplatz um Parkplätze und die Frage, wieso Männer Zugang zum Frauenparkplatz haben? Überfüllten Veranstaltungen, Gleichgültigkeit an allen Ecken und Enden und dem Gefühl einfach nicht reinzupassen, aus zig verschiedenen Gründen - noch ist Germanistik mein Fach.
Was mir in gewissem Maße das Herz bricht, soviel muss ich ja zugeben.
Ich habe eine große Affinität zu all dem, vorallem zu Mediävistik, ich liebe das Schreiben und mir liegt sie, die deutsche Sprache. Ich dachte, es sei genau meins.
Möglicherweise bin ich etwas zu blauäugig an die Sache herangegangen und dachte, obwohl ich den wissenschaftlichen Aspekt schon in der Schule nicht so besonders mochte (weswegen ich z.B. Psychologie nicht als Abifach gewählt habe), dass das in Germanistik nicht so wäre. Die Ernüchterung kam schon in der ersten Woche, aber ich wollte dem ja eine Chance geben und zwar ernsthaft. Immerhin habe ich mir fest vorgenommen zu studieren, weil ich hab ja auch Abi gemacht und ich wollte ja was richtig, richtig tolles aus mir machen. Akademikerin werden, das war der Plan.
Von der mit dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10 zur Akademikerin, oder so.
Dazu kommen nicht unwesentliche Probleme mit dem ach so geliebten Bafög. Das ist sicher nichts neues, für mich aber ein wirkliches Problem. Am schlimmsten ist, dass es einfach niemanden interessiert.
"Uns sind die Hände gebunden." sagt die fünfundzwanzig-jährige Sachbearbeiterin in schnippischem Ton, als ich vorsichtig nachhake, ob man nicht zeitnah (zeitnah, bitte vor Ablauf diesen Jahres) irgendwas machen kann, denn immerhin wohne ich allein und zahle auch alles allein und habe nicht den Schutz des Elternhauses, welches mich behütet und wo man mich durchfüttert. "Uns sind die Hände gebunden." - dieser Satz schürt eine solche Wut in mir, dass ich der doofen Schnippse gerne ihren beschissenen Werbe-Kuli in den Hals rammen will.
Nächste Instanz ist die Teamleitung, danach die Geschäftsleitung. Aber erst ab Montag, Sprechzeiten sind nämlich zwei mal die Woche, zwei Stunden...
Und wieso das alles? Weil mein Erzeuger die Notwendigkeit nicht sieht, mitzuspielen. Anstatt, dass ich das Geld bekomme, welches mir zusteht, bekommt er nochmal drei Wochen Zeit sich zu äußern und ich gucke in die Röhre. Arschloch.
Ich vermisse die Schule. Ich hätte nie gedacht, dass mir die Schule so sehr fehlen könnte. Ich würde freiwillig jeden Tag drei Stunden Mathe machen, wenn ich vorher gewusst hätte, wie schwierig und kacke das alles werden würde.
Ich frage mich natürlich, ob es anders gewesen wäre, wenn ich nach Wuppertal gegangen wäre, wie zuerst angedacht. Ja, vielleicht. Vielleicht auch nicht, denn die Probleme mit dem Kopf wären ja trotzdem da.
Aber vielleicht hat es diese Erkenntnis einfach gebraucht, dass die Pseudo-Elite wirklich ein gigantischer, grauer Klotz ist, der sich tatsächlich auf einen draufsetzt und einfach platt macht. Denn sonst hätte ich mich vielleicht irgendwann gefragt, wies gewesen wäre, dorthin zu gehen oder es zumindest zu versuchen.
Ich weiß es nicht, aber am Ende ist das auch nicht mehr wirklich wichtig.
Mein Plan ist jetzt ein anderer. Ich schreibe Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz im nächsten Jahr, in dem Beruf, von dem ich weiß, dass ich ihn mein Leben lang aus vollstem Herzen machen kann und in dem ich vor 12 Jahren schon arbeiten wollte, doch dann kam das Leben dazwischen.
Ich kann immernoch irgendwann studieren, wenn ich beschliesse, dass ich es möchte. Es ist nie zu spät, das weiß ich jetzt, man braucht nur Geduld.
Jetzt muss ich nur noch runterfahren und aufhören mich ständig aufzuregen und dadurch den Psychoshit nur noch weiter anzufeuern - Hello Gastritis, long time no see.
Therapeutensuche läuft, schleppend, aber läuft.
Irgendwie läuft alles. Es geht immer weiter. Immer und immer und immer. Einfach weiteratmen und einen Fuß vor den anderen setzen und ab und zu mal stehen bleiben und sich umgucken, ob es einem gefällt, wo man gerade ist. Und wenn nicht, dann weitergehen.
Gehen, nicht rennen, denn Hast ist denkbar ungesund auf Dauer...