So ungefähr lautete der Wortlaut des Freundes vor ein paar Tagen, als wir darüber sprachen, wie schnell das Jahr rumging und, dass es okay ist, wenn es rum ist, auch wenns nicht ganz grottenscheiße war, aber hätte eben auch besser sein können.
Ich war nie so der Typ, der ständig betont, wie kacke alles ist. Ich relativiere, immer und alles und überall. Vorallem mich selbst und die Situationen in denen ich stecke. Bis zum Hals in der Scheiße, aber die Aussicht ist gut - könnt schlimmer sein.
Aber verdammt ja, die letzten Monate waren wirklich beschissen. Wirklich, wirklich beschissen.
Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass meine ganze Angstproblematik mal so sehr zurückkommt, wie sie es letztlich getan hat.
Das Lustige ist, dass ich die Situation sehr gut für mich allein analysieren kann, nur eine Lösung habe ich noch nicht.
Ich bin ein Mensch, der sich mit Veränderung sehr schwer tut. Gedanklich hänge ich im Moment viel in der Vergangenheit, mal da, wo alles anfing, mal da, wo ich mich entschied zur Schule zu gehen in einem Anflug von viel Mut, und der Zeit, in der ich mich gedanklich darauf vorbereitet hatte wirklich wieder etwas zu tun.
Wenn ich ich mich jetzt sehe und zurückblicke auf die, die am 04.02.13 angefangen hat einen Vorkurs am Kolleg zu besuchen, versuche ich zu begreifen, was jetzt anders ist, als es damals war. Ich erkenn mich kaum. Und ironischerweise habe ich genau das irgendwann in 2013 auch schonmal gesagt, weil sich alles so gut entwickelt hatte und alles so gut lief... und ich eigentlich genau das Gegenteil erwartet hatte.
Dafür, dass ich mich sonst so schwer damit tue, hatte ich zu Beginn des Kollegs erstaunlich wenig Probleme mich einzufinden. Irgendwie lief es von Anfang an sehr gut und ich fühlte mich wohl und hatte das Gefühl aufgehoben zu sein. Man hatte mir eine Chance gegeben. Mir. Das war mehr als nur ein Sechser im Lotto für mich.
Vielleicht sind es auch nur Veränderungen die was mit Verlust im weitesten Sinne zu tun haben, die es mir schwer machen.
Ich hab das gewohnte Umfeld der Schule verlassen, ich fühlte mich dort sehr wohl und größtenteils auch sicher. Die Routine tut der Psyche gut.
Ich überlege, was jetzt so anders ist und wieso meine Ängste so in voller Stärke zurückkommen wie schon ewig nicht mehr. Ständig bin ich angetriggert, seit Monaten immer wieder, seit Tagen beinahe konstant, weil mir überall das selbe über den Weg läuft und ich das im Moment so schlecht handlen kann.
Eventuell ist es das Verlassen des sicheren Umfelds und der seither immer wieder aufkommenden Unsicherheit, der Traurigkeit darüber, dass ich von dort weg musste, der Verlust der Routine, die ich manchmal so sehr hasste, aber die mir so gut tat. Vielleicht auch die Dinge, die schief gegangen sind oder nicht so gelaufen sind, wie ichs mir erhofft hatte... Ich weiß es nicht genau.
Mir geht so viel durch den Kopf, man merkt das an der Art wie ich schreibe. Alles durcheinander, ohne richtiges Konzept, weil ich nicht so richtig filtern kann, was da produziert wird.
Wenn ich mal so ganz grob überlege, was mich dieses Jahr negativ beeinflusst und verunsichert, ist die Sache eigentlich ziemlich klar.
- Schule beendet, Weggang von dort und den gewohnten und geschätzten Mitschülern und Lehrern
- fehlende, vertraute Struktur, die mit wenig Triggerfaktoren verbunden ist
- Ungewissheit bezüglich eines Studienplatzes - was, WO, klappt es überhaupt? Alle Fragen die damit zusammenhängen. Was ist mit dem Bafög? Will ich überhaupt studieren? Was mache ich damit? Will ich das wirklich? Was ist, wenn die Ängste zu groß werden? 370 Leute im Hörsaal? Was, wenn Studium nicht das richtige für mich ist? usw.
- Stress und gleichzeitig zuviel Zeit zum Nachdenken über Scheiß, über den ich nicht nachdenken sollte.
- Mein langjähriger Hausarzt geht in Rente (Medikamentenversorgung erfolgt von dort und sein Ansatz ist so gut, großes Vertrauen).
- Beenden einer Freundschaft, die mir wichtig war, aber auf der anderen Seite scheinbar nicht so wichtig war, wie ich angenommen hatte.
- Dem Freund gehts schlecht, aufgrund der Arbeit, große Sorgen
- Generell große Sorgen um alles.. vorallem um die Zukunft in jeder Art.
Und das ist nur grob umrissen.
Ich habe Angst, denke zuviel und meine Psyche liegt offen wie der Brustkorb bei einer Herztransplantation. Ich vermisse meine Schule so, weil mir das fehlt, was sie mir gab, Halt und Stabilität, eine Aufgabe und das Gefühl nicht egal zu sein und sogar ein bisschen Wertschätzung, dann und wann. Wenn ich könnte, würde ich im Februar einfach nochmal mit dem Vorkurs anfangen. Einfach so.
Ich habe wieder Probleme raus zu gehen. An Orte zu gehen wo viele Menschen sind. Probleme, woanders zu übernachten, sogar beim Freund, und auch ausserhalb zu essen. Nach der Gastritis-Odyssee bin ich froh über das, was ich vertrage und wage mich nicht mehr so weit hinaus mit Experimenten wie vor ein paar Monaten. Ich kann schlecht schlafen. Werde erst spät abends aktiv und habe Probleme einzuschlafen, trotz Medikamente. Schätze, das ist die Schuld der psychischen Überaktivität.
Es ist jetzt zwanzig vor drei in der Nacht und ich wach. Und verheult. Domian hatte seine letzte Sendung und obwohl ich am Anfang direkt wieder getriggert wurde (Ton ausschalten hilft für ein paar Minuten), habe ich am Ende Rotz und Wasser geheult (blöde Sensibilität, Emotionalität und Sentimentalität - ich mag Veränderungen nicht >.<) und mich seitdem nicht einbekommen, weil irgendwie ists ja wirklich so: Die letzten Monate waren echt hart, irgendwie. Und die kommenden sehr ungewiss.
Und ich hab einfach nur Angst. Angst vor allem.
Und ich will nur weg. Weit, weit weg.